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»Der Umstand, dass alles, Tier und Mensch, nach der Lust verlangt und strebt, ist ein Zeichen, dass sie in gewissem Sinne das höchste Gut ist.« Aristoteles, ›Nikomachische Ethik‹ 322 v. Chr. Nachdem wir uns nun ausgiebig damit beschäftigt haben, wie sich in Griechenland Leib und Seele auf angenehme Weise zusammenhalten lassen, kommen wir zu allerhand leiblichem, bevor letztlich die Seele auf ihre Kosten kommt. Sehr gestenreich sind die Griechen bei ihren Unterhaltungen. Sympa- thisch ansteckend wirkt ihr Gestikulieren. Doch Vorsicht! So manche der Gesten haben eine dem Westeuropäer nicht vertraute Bedeutung. Das fängt schon bei den al erwichtigsten an: denen für Zustimmung und Ablehnung. Gerade sie werden oft missverstanden. Jemand der zum ersten Mal mit griechischer Sprache und Gestik konfrontiert wird, neigt leicht dazu, eine Bejahung für eine Verneinung zu halten und umgekehrt. Denn das griechische Wort für ›ja‹ lautet ›ναι‹ (gesprochen ›ne‹), also genauso wie viele Deutschsprachige umgangssprachlich statt eines deutlich artikulierten ›Nein‹ sagen. Die entsprechende Gestik ist genauso missverständlich wie der sprachliche Ausdruck. Zustimmung, Bejahung (das ges-
tische ›ne‹, also ›ja‹) wird nicht wie in Westeuropa durch ausge- prägtes Nicken sondern vorwie- gend durch kurzes Schließen der Augenlider ausgedrückt. Oft wird es begleitet von einer Neigung des Kopfes, meist nach vorn, manch- mal aber auch seitlich. Vor allem Männer klopfen dem Gegenüber auch gern als Ausdruck der Zu- stimmung auf die Schulter.
AUSZUG AUS GRIECHENLAND ERLEBEN - MEHR ALS SÄULEN & SONNE ISBN 978-3-934918-34-4
2009 Conbook Medien GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ablehnung, Verneinung (das
gestische ›óchi‹, also ›nein‹) hinge- gen wird durch Anheben des Kinns ausgedrückt. Da sich das Kinn frü- her oder später wieder senkt und die Geste zuweilen auch wiederholt wird, wenn sie als unverstanden empfun- den wurde, wird sie von demjenigen, der sie nicht kennt, leicht als Nicken interpretiert, was für die meisten Nichthel enen Zustimmung bedeu- ten würde. Auch hochgezogenen Augenbrauen, weit aufgerissene Au- gen und ein Schnalzen mit der Zunge bedeuten ›ochi‹, ›nein‹. Je nach Temperament und auszudrückender Bekräftigung werden diese Gesten oft kombiniert, das Kinn nicht nur leicht angehoben, sondern der Kopf weit zurück in den Nacken geworfen.
Beleidigend wirken gehobene und dem Gegenüber entgegen ge-
streckte Handinnenflächen, vor al em bei mehr oder weniger stark ge- spreizten Fingern. So schickt man jemanden zur Höl e. Je deutlicher man dabei die Finger spreizt und je kräftiger man die Hand in Richtung des Beschimpften und Verfluchten schiebt, desto mehr Nachdruck hat diese Geste der bösen Verärgerung und Beschimpfung. Je näher die ausgestreckte Hand dem Gesicht des derart Beschimpften kommt, desto bedrohlicher wird sie empfunden. Zusätzlich akzentuieren lässt sie sich, indem man beide Hände verwendet und mit der Innenfläche der einen zur Bekräftigung auf den Rücken der anderen schlägt. Auch findet manchmal eine akustische Untermalung mit »na!«, »órse« oder »par‘ta« statt, was soviel wie »da!«, »nimm das!« bedeutet. Nicht zu spaßen ist mit dieser ›moúndza‹ genannten Gebärde. Nur in sehr vertrauter Umgebung mag sie zuweilen karikiert werden. Sie ist sehr alt und ist übler Schimpf und Fluch zugleich. Ihren Ur- sprung hat sie wahrscheinlich in der zur byzantinischen Zeit üblichen Bestrafung von Kriminellen, denen man mit in Asche getauchter, of- fener Hand das Gesicht schwärzte, bevor man sie in Ketten rückwärts auf einem Esel sitzend durch die Straßen führte. ›Moundzos‹ hieß im Griechisch dieser Epoche ›Asche‹. Modernes Griechisch kennt den Ausdruck ›moundzoúra‹ für ›Schmutzfleck‹.
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Eher warnend und drohend wirken harmlosere Abwandlungen der
›moúndza‹-Geste. Dabei bleiben die Finger geschlossen oder es wer- den zwei zu einem V gespreizt. Al e diese Gesten sind jedoch durch die dem Gegenüber zugewandte Handinnenfläche gekennzeichnet. Da- rum am besten diese nie dem anderen zukehren, damit erst gar keine Missverständnisse aufkommen, wil man zum Beispiel die Zahl fünf darstel en oder winken. Die Entsprechung unseres drohenden und ta- delnden Zeigefingers ist eine sich karateschlagartig auf- und abbewe- gende, erhobene Hand. »Tha fas Xílo« (»Du wirst Holz essen«) lautet die verbale Entsprechung dieser Androhung einer Tracht Prügel. Obszön wirken zu einem Kreis geschlossene Daumen und Zeigefin-
ger. Das bedeutet ganz und gar nicht, wie in westlichen Ländern, ›al es in Ordnung‹, ›meine Anerkennung‹, sondern eine sexuel e Anspielung. Weitere Gesten mit Sexualsymbolik sind unmissverständlicher. So be- deutet eine kräftige Bewegung der Hand mit nach innen geneigter Handfläche in Richtung Genitalien, dass man sich um etwas einen Dreck schert, eine Forderung oder Drohung als hohl betrachtet. Nicht so gebräuchlich und deutlich obszöner ist die Entsprechung des ›Stin- kefingers‹, der ausgestreckte Mittelfinger. Wird die Hand waagrecht gehalten und dabei rhythmisch hin- und herbewegt, kann man sich schon vorstel en, was darunter zu verstehen ist. Fremden gegenüber gebrauchen die Griechen solche Gesten nicht. Doch unter Freunden werden sie nicht übel genommen und oft spaßhaft eingesetzt.
Beziehungen, nicht unbedingt sexuel er Art, sondern eher Vettern-
wirtschaft, unterstel en zwei aneinander geriebene Zeigefinger der vor
sich mit nach unten weisenden Handflächen ausgebreiteten Hände.
Erstaunen findet meist in fragend hochgezogenen Augenbrauen,
begleitet von einem Anheben der nach oben geöffneten Hände und einer leichten Drehbewegung derer Ausdruck. Je nach der Betonung, die in diese Mehrzweckgeste gelegt wird, kann sie bedeuten: »Was soll das?«, »Was nun?«, »Wie geht‘s?«, »Was willst du?«, »Was ist los?«, »Unglaublich!«, »Wie schrecklich!«, »Wie schön!«. Die verbale Ent- sprechung letzterer Ausrufe ist »Po, po, po!« Jemanden der Lüge bezichtigen will man, indem man seinen ima-
ginären Bart streicht. »Komm her!« Die körpersprachliche Entsprechung des »Ela!«
(»Komm!«) ist nicht, wie andernorts, der sich abwechselnd streckende AUSZUG AUS GRIECHENLAND ERLEBEN - MEHR ALS SÄULEN & SONNE ISBN 978-3-934918-34-4
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und zum Rufenden hin krümmende Zeigefinder, sondern eine win- kende Geste mit nach unten gerichteter Handfläche. Sie wirkt, als würde der Rufer in der Luft scharren und kann von dem, der nicht damit vertraut ist, leicht eher als Zeichen zum Abstandhalten oder als Abschiedswinken verstanden werden. Küsse gibt man sich bei der Begrüßung enger Freunde auf jede
Wange. Geküsst werden auch die Ikonen am Eingang der Kirchen. Fromme küssen auch nach altem Brauch die Hand des Priesters.
Schulterklopfen findet zur Begrüßung und als Zeichen von Be-
wunderung und Einverständniserklärung statt. Oft erfolgt es auch als Antwort, wenn man sich für etwas bedankt, also beispielsweise statt eines »parakaló« (»bitte«) als Antwort auf ein »efcharistó« (»danke«). Wangenkneifen müssen kleine Kinder oft über sich ergehen las-
sen, meist begleitet von unverständlichen Tönen. Meist sind es ältere Frauen, die derart ihrer Bewunderung Ausdruck geben, wie hübsch das Kind doch ist, wie es gewachsen ist, wie gut es sich gemacht hat. Zuweilen packen sie es in gleicher Absicht auch schon mal am Kinn und drehen seinen Kopf hin und her. Spucken gilt als eine Form der Abwehr des Bösen, des Unglücks.
So wird mit Ausspucken oder lautmalerischem »ftou, ftou, ftou«, rea- giert, wenn von einem Unglück berichtet wird. Auch den ›bösen Blick‹ (► Seite 106) gilt es durch Spucken abzuwehren. Da Komplimente als Auslöser dafür gelten, werden sie oft von einem mehr oder weniger an- gedeuteten, dreimaligen Spucken begleitet, vor al em wenn sie Kinder betreffen, die für den ›bösen Blick‹ als besonders anfäl ig gelten.
Wellness und Kuren Die Kunst des Heilens und der Gesunderhaltung des Körpers geht, wie so vieles in Griechenland, bis in die Antike zurück. Der Eid des Hippokrates bestimmt noch heute die Ethik der Mediziner, wenn auch in seiner zeitgemäßen Version, der ›Genfer Deklaration‹, einige Anpas- sungen an moderne Gegebenheiten nötig waren. Hippokrates wurde 460 v. Chr. auf der Dodekanen-Insel Kos geboren. Dort wirkte er in einer riesigen, ganzheitlichen Heil- und Kultstätte, einem so genann- ten Asklepion, dessen Reste noch heute ein eindrucksvol es Bild von seiner Größe, Bedeutung und dominierenden, reizvol en Lage vermit- 76 AUSZUG AUS GRIECHENLAND ERLEBEN - MEHR ALS SÄULEN & SONNE ISBN 978-3-934918-34-4
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14 November 2007 Smoking and Mental Illness: Costs Report by Access Economics Pty Limited for Smoking and Mental Illness: Costs CONTENTS Executive summary.i Background .1 1.1 Efforts to combat smoking .9 Smoking epidemiology .11 Smoking aetiology .13 Smoking mortality .14 Mental illness .16 Mental illness and suicide .19